Als Hahnemann ein englisches Arzneimittelbuch ins Deutsche übersetzte, stieß er auf die Arznei Chinarinde, damals das
bewährteste Mittel gegen Malaria (wie heute noch Resochin). Die Behauptung, die Heilwirkung der Chinarinde läge in
ihren magenstärkenden Bitterstoffen, stellte Hahnemann nicht zufrieden.
In einem bis dahin einzigartigen Selbstversuch widerlegte Hahnemann diese Behauptung und differenzierte die wahre Wirkung
der Chinarinde.
Er nahm einige Tage etwas von der pulverisierten Chinarinde ein und entwickelte daraufhin als Gesunder malariaähnliche
Symptome, die nach einiger Zeit wieder verschwanden und jedes mal wiederkehrten, wenn er erneut von dem Pulver nahm.
"Die Fingerspitzen und Füße wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing das Herz an zu klopfen, mein
Puls ward hart und geschwind, eine unleidliche Ängstlichkeit, ein Zittern, Schauder, eine Abgeschlagenheit durch alle
Glieder, dann ein Klopfen im Kopf, Röte der Wangen, Durst.
Kurz, alle mir sonst bei Wechselfieber bekannten Symptome erschienen nacheinander, doch ohne Fieberschauer.
Diese Symptome dauerten immer 2 - 3 Stunden an, ich hörte mit der Einnahme an und ward gesund."
Er prüfte das Medikament und seine Wirkungsweise also an seinem eigenen Körper; diesen Prozess bezeichnen wir als
Arzneimittelprüfung (auch heute noch prüfen Homöopathinnen und Homöopathen verschiedene Arzneimittel selbst; die dabei
entstehenden Symptome werden als Arzneimittelbilder zusammengefasst und fließen in die homöopathische
Arzneimittellehre mit ein).
Bei Hahnemanns erstem Selbstversuch stand er vor der Enträtselung eines der größten Geheimnisse der Natur. Sollte der Arzneistoff, der einen gesunden Organismus krank macht, der gleiche sein, der einen kranken Menschen, der unter ähnlichen Symptomen leidet, gesund macht?
Genau auf dieser Tatsache beruht das Ähnlichkeitsgesetz: "Similia similibus curentur" - Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt.