Homöopathie und die M√∂glichkeit bzw. Unm√∂glichkeit einer Assistenz.

Der Lehrling muss die Form erlernen,
der Geselle muss die Form erhalten
und erst der Meister darf sie zerschlagen.

Da ich schon seit vielen Jahren als Dozent f√ľr klassische Hom√∂opathie t√§tig bin, war es mir immer schon ein Anliegen, m√∂glichst vielen Studierenden der Hom√∂opathie nach ihrer Ausbildung, eine M√∂glichkeit zu bieten meinen Praxisablauf miterleben zu k√∂nnen. Viele von uns haben mit mehr oder weniger Erfolg mal selber versucht bei einem/r erfahrenen KollegenInn beizusitzen und den allt√§glichen Praxisablauf mitzuerleben. Bei Fallaufnahmen lauschen, Patientenberichte h√∂ren, Untersuchungen miterleben und selber durchzuf√ľhren, mal die Telefonsprechstunde √ľbernehmen und einfach dabei sein wie ein hom√∂opathischer Praxisalltag abl√§uft.
Optimal w√§re es wenn alle Studierenden nach dem absolvierten Hom√∂opathie Examen bei mehreren praktizierenden Hom√∂opathenInnen in der t√§glichen Praxisarbeit √ľber die Schulter sehen k√∂nnten, um sich auf die eigene Praxis vorzubereiten oder als schon Praktizierende Impulse von dort zu erhalten.
Durch diese Möglichkeit wird der Abstand zwischen Theorie und Praxis so gering als möglich gehalten, ganz im Sinne Hahnemanns, der nichts Anderes an die Spitze der Heilkunst setzt als die reine Erfahrung.
In meiner eigenen Ausbildung traute ich mich schon sehr fr√ľh Dozenten anzusprechen (was mir nicht leicht viel), ob ich bei ihnen nach der Ausbildung beisitzen k√∂nnte, ich wurde von allen vertr√∂stet und es gab leider keinen der sich irgendwann noch an mich erinnerte. So blieb ich leider (vielleicht auch Gott sei Dank ‚Äď dadurch durfte ich mir vieles selber √ľber Eigenstudium und Weiterbildungen beibringen) ohne M√∂glichkeit der Hospitation.
(Eine Hospitation - von lateinisch hospitari = zu Gast sein - ist ein Besuch eines Au√üenstehenden in einer Einrichtung, Firma oder Beh√∂rde. Der Hospitant (Gast) soll dabei deren Arbeit kennenlernen oder arbeitet selbst probeweise mit. Je nach Art der Hospitation kann eine √Ąhnlichkeit zum Praktikum bestehen.)

Es gibt sehr gute hom√∂opathische Lehrinstitute, tolle Weiterbildungsm√∂glichkeiten, einige etablierte Supervisionsgruppen und SupervisorenInnen, nur diese Zwischenetage zwischen der langj√§hrigen Ausbildung und den ersten Schritt in die eigene Praxis, eben dieser Bereich ist f√ľr viele nur schwer oder gar nicht zu bew√§ltigen. Ihnen fehlt das jemanden sie an die Hand nimmt und ihnen zeigt, wie die theoretischen Grundlagen in der Praxis umgesetzt werden, jemand der korrigierend eingreifen kann, ihn unterst√ľtzt, ihm Sicherheit gibt, einfach ein Ansprechpartner, der den Schritt zwischen Aufrichten und sicherem Gehen wohlwollend begleitet.

Wir gehen zum Ursprung des Wortes: assistieren - lateinisch assistere‚Äā= dabeistehen; unterst√ľtzen; des Weiteren kann es bedeuten: behilflich sein, dienen, helfen, Hilfe leisten, mithelfen, unter die Arme greifen, unterst√ľtzen, zuarbeiten, zu Hilfe kommen, zur Hand gehen, zur Seite springen/stehen.

Ein weiterer und vielleicht auch der passendere Begriff f√ľr uns Hom√∂opathen hat sich die letzten Jahre etabliert, n√§mlich Mentoring - englisch mentoring, zu: to mentor‚Äā= beraten; ausbilden, Beratung und Unterst√ľtzung durch erfahrene Fach- oder F√ľhrungskr√§fte.
Eine erfahrene Person = Mentor gibt sein fachliches Wissen oder ihr Erfahrungswissen an eine noch unerfahrenere Person = Mentee weiter. Ein Ziel ist es dabei, den oder die Mentee bei pers√∂nlichen oder beruflichen Entwicklungen zu unterst√ľtzen. Mentoring wird eingesetzt, um den Wissenstransfer zwischen Erfahrenen und weniger Erfahrenen zu f√∂rdern. Im Unterschied zum Coach ist der Mentor √ľblicherweise nicht eigens f√ľr diese T√§tigkeit ausgebildet, sondern verf√ľgt lediglich √ľber einen Erfahrungs- und/oder Wissensvorsprung.

Genau so jemanden hatte ich mir damals immer gew√ľnscht, mein junges, dynamisches und aufbl√ľhende Hom√∂opathie Wissen in sichere, w√§rmende und wohlwollenden H√§nde zu legen um es weiter zu vertiefen, um Sicherheit im Umgang mit Patienten zu erlangen und um sp√§ter eine eigene Praxis betreiben zu k√∂nnen.

Wie schon erw√§hnt hatte ich leider nie diese M√∂glichkeit, bis zwei meiner wichtigsten Lehrer nach bereits 10 Jahren eigener Praxist√§tigkeit, in mein hom√∂opathisches Leben traten, Prof. George Vithoulkas und Dr. Alfons Geukens. Ich konnte zwar auch dort keine Assistenz antreten doch auf ihren Fort- und Weiterbildungen bekam ich √ľber Jahre hinweg tiefe Einblicke ihr ihr Denken und ihren praktischen Umgang mit der klassischen Hom√∂opathie. Das m√∂chte ich noch jeden Absolventen ans Herz legen, wenn sich jemand f√ľr eine Richtung im praktischen Umgang mit der Hom√∂opathie entscheidet (in den meisten Schulen werden immer unterschiedliche Richtungen angesprochen und praktiziert, danach wei√ü man schon in etwa, was einem liegt) sollte man dabeibleiben und √ľber einen l√§ngeren Zeitraum (mindestens 7 Jahre) verfolgen, denn dann erst entfaltet sich ein tieferer Einblick.

Nachdem ich nun schon seit √ľber 25 Jahren eine rein hom√∂opathische Praxis aus√ľbe und seit 10 Jahren fast t√§glich einen Assistenten oder eine Assistentin bei meiner Arbeit dabeisitzen habe, sind mir viele Argumente √ľber das daf√ľr oder dagegen einer Assistenz zu Ohren gekommen, die ich jetzt auff√ľhren werden.


Was sind die h√§ufigsten Gegenargumente f√ľr die Assistenz in den hom√∂opathischen Praxen von Seiten der Therapeuten:
  • Das h√§ufigste Gegenargument ist, das die Patienten das nicht gerne sehen.
  • Das n√§chste ist, dass die Anamnese ihre Individualit√§t und Intensit√§t verliert.
  • Eine weiteres ist, dass sie nicht so viele Patienten haben.
  • Das letzte Argument ist, ich kann mich nicht auch noch neben meinen Patienten um jemanden k√ľmmern.
Und nun die Gegenargumente f√ľr die Assistenz in den hom√∂opathischen Praxen von Seiten der Lernenden/Absolventen:
  • Das traue ich mir noch nicht zu
    • von meiner Pers√∂nlichkeit
    • oder/und von meinem Wissenstand.
  • Das mache ich Erst wenn ich selber eine Praxis habe, dann bringt mir das mehr.
  • Ich habe jetzt die letzten Jahre so viel gelernt, jetzt brauch ich erst mal eine Pause.
  • Ich wei√ü noch gar nicht ob ich jemals eine eigene Praxis haben werde.

Auch wenn auf den ersten Blick vor allem die Lernenden von der Assistenz profitieren, sollten die Vorteile f√ľr die Praxis nicht untersch√§tzt werden; es kann zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen werden.

Lernende erhalten unter anderem die Möglichkeit:
  • Die eigenen hom√∂opathischen Kenntnisse kennen und einsch√§tzen zu lernen.
  • Den Erwerb von neuen F√§higkeiten, indem Fallaufnahme, Untersuchungen oder Repertorisationstechniken‚Ķ‚Ķ gezeigt werden, von welcher er vorher noch nichts wusste oder er kann sie vertiefen.
  • Er kann Unterst√ľtzung bei Unklarheiten erhalten.
  • Es f√∂rdert seine Eigeninitiative und Eigenverantwortung.
  • Eines der wichtigsten Aspekte ist die Umsetzung des theoretischen Wissens in die Tat.
  • Er kann Mut und eigene Ideen f√ľr die Umsetzung ihrer eigenen hom√∂opathischen Praxis entwickeln.
  • Oder seine eigene Praxist√§tigkeit effizienter gestalten.
  • Er hat die M√∂glichkeit Einblicke in die Berufswelt der hom√∂opathischen Praxis zu erhalten und entsprechende Kontakte zu Kn√ľpfen und sich vernetzen.
  • Dies f√ľhrt zur Einbindung in ein Netzwerk, das neue Impulse ebenso, wie konkrete Hilfe bieten kann (Praktika, Gemeinschaftspraxis, Vortr√§ge, Dozentent√§tigkeit, √úbersetzert√§tigkeit, Forschung etc.)
  • Die fachlichen und pers√∂nlichen Anregungen von einem/r erfolgreichen Hom√∂opathen Inn k√∂nnen ihm als Vorbilds Funktion dienen.
  • Er bekommt einen guten Einblick in die formellen und strukturellen Abl√§ufe eines Praxisbetriebes und dies √ľber einen l√§ngeren Zeitraum.
  • Sein eigenes Verhalten und Wissen kann kritische Reflektiert werden.
  • Er bekommt einen vertrauten Ansprechpartner Inn f√ľr Probleme und kritische Situationen.
  • Ein Mentor kann auch ein pers√∂nlicher Ratgeber sein, der die pers√∂nliche Entwicklung des Assistenten wohlwollend verfolgt und bei Bedarf korrigierend einzugreifen weis.
F√ľr die erfahrenen Hom√∂opathen/Praxisinhaber liegen die Vorteile darin:
  • Einblicke in die aktuelle hom√∂opathische Ausbildung zu bekommen,
  • z.B. welche neuen Arzneimittel finden Einzug in die Materia Medica
  • welche neuen hom√∂opathischen Therapierichtungen etablieren sich
  • welche Fortbildungen werden gerade angeboten
  • welche neue Literatur, Computerprogramme, Karteikarten‚Ķ‚Ķgibt es.
  • Er kann frische Ideen und Impulse vom Nachwuchs zu erhalten.
  • Die eigenen routinierten Strukturen √ľberdenken und Impulse bekommen sie zu verbessern.
  • Es kann ein qualifizierter Nachwuchs f√ľr die eigene Praxis angeleitet, aufgebaut und herangef√ľhrt werden um sp√§ter als Aushilfe oder Kollege Inn mitzuarbeiten.
  • Es f√ľhrt dazu das eigene Arbeiten tiefer zu reflektieren und erlernbar machen.
  • Die eigenen sozialen und kommunikativen Kompetenzen werden trainiert.
  • Es kann zu Kontakten mit anderen Mentoren kommen, die einem mit neuen Impulsen weiterhelfen.
  • Es k√∂nnen sich Netzwerke bilden, zum Informationsaustausch oder neue M√∂glichkeiten daraus zu gewinnen.
  • Wir bekommen Feedbacks.
  • Wir bem√ľhen uns die Anamnesen wieder strukturierter zu gestalten und nachvollziehbarer zu machen.
  • Alleine das Gespr√§ch √ľber eine Mittelverordnung kann zu einer tieferen und besseren Verschreibung f√ľhren.
  • Mentoren lassen Mentees an ihren Erfahrungen uneigenn√ľtzig teilhaben und geben eigenes Wissen oder Kontakte weiter und f√∂rdern dadurch die Weitergabe an Wissen und dadurch die Ausbreitung der klassischen Hom√∂opathie.
  • Oft ist die Freude an den Lern- und Entwicklungsprozessen der Sch√ľler eine ausreichende Motivation.

Damit das oben genannte zumindest Fragmentarisch gelingen kann sollten einige Verhaltensregeln noch Beachtung finden. Wichtig f√ľr eine gelingende Zusammenarbeit ist, dass sich beide Seiten freiwillig beteiligen und nicht eine hierarchische Beziehung zueinander aufbauen. Wichtig als Grundlage eines solchen Prozesses ist immer ein vertrauensvoller Umgang miteinander. Ziele und Inhalte des Prozesses sollten zu Beginn individuell festgelegt werden. Was m√∂chte der Lernende in der Assistenz vertiefen, sich erarbeiten und welche M√∂glichkeit hat der erfahrene Hom√∂opath/Inn ihm das zu vermitteln. Wie so oft im Leben kann es auch hier sein, dass die Zielsetzung im Laufe der T√§tigkeit bei Bedarf nachjustiert werden sollte. Manche Assistierende ben√∂tigen mehr Erkl√§rung, k√∂nnen den Anamnesen nicht gut folgen, wollen genau wissen, warum bestimmte Rubriken f√ľr die Repertorisation ausgew√§hlt wurden. Andere sind √ľberschnell und ungeduldig, k√∂nnen nicht genug Input bekommen. Wieder andere sind sehr kritisch und kritisieren im Unterton st√§ndig die Verschreibung oder die Patientenf√ľhrung. Die einen wollen immer mehr Zeit zur Verf√ľgung gestellt bekommen um die F√§lle nachzuarbeiten, die anderen sind schon √ľberfordert wenn man ihnen leichte Fragen √ľber bew√§hrte Indikationen stellt. Die Hom√∂opathen geben Feedback hinsichtlich der St√§rken, Schw√§chen und L√ľcken ihrer Assistenten, reflektieren aber auch ihr eigenes Schaffen. Das erfordert besondere Kompetenzen von beiden Seiten: Empathie, Bereitschaft sich selbst in Frage zu stellen, Selbstreflektion, Offenheit, Feedback-Kompetenz, Zuh√∂ren-K√∂nnen und eine ausgepr√§gte Lernmotivation.

Ist eine Hom√∂opathieausbildung erfolgreich abgeschlossen, taucht irgendwann die Frage auf, wie finde ich so eine Stelle? Das ist dann meistens leider schon der falsche Zeitpunkt, √ľber den man sich vielleicht ein Jahr vorher Gedanken h√§tte machen sollen (aber nicht alle sind Arsenicum album oder Natrium muriatcum in ihrem Arzneimittelbild, die √ľber Jahre hinweg schon alles planen. Es gibt auch Gott sei Dank viele Silicea oder Sulfuriker unter den angehenden Hom√∂opathen, der eine traut sich nicht und der andere macht alles in letzter Minute, weil er denk er wisse schon alles und dann geht ihm halt doch die D√ľse).

Was kann der Sch√ľler tun, wenn er eine Stelle sucht:
  • Im Vorfeld oder jetzt alle seine Dozenten bzw. Lehrer fragen.
  • Bei ehemalige Mitsch√ľler anfragen, die eine Stelle bereits haben, ob sie nicht sp√§ter auch in der Praxis beisitzen k√∂nnen.
  • Den eigenen Hom√∂opathen Inn ansprechen.
  • Sich pers√∂nlich in hom√∂opathischen oder naturheilkundlichen (hier kann auch eine Menge erlernt werden) Praxen vorstellen.
  • Sich bewerben, Bewerbungsunterlagen mit Lebenslauf (mit besserem Erfolg, wenn sie pers√∂nlich abgeben werden!)
  • √úber einen Tauschhandel z.B. ich war fr√ľher Grafiker und k√∂nnte mich f√ľr die Assistenz um das Lay-out der Praxis k√ľmmern, oder Termine vereinbaren, Schreibarbeiten erledigen‚Ķ‚Ķ‚Ķ‚Ķ, hier sind dem pers√∂nlichen Talenten keine Grenzen gesetzt.
Wie sollte den so eine Stelle aussehen, besser gesagt wie richte ich sie in meiner Praxis ein:
  • Meistens gen√ľgt ein Stuhl mehr im Praxisraum, die meisten Lernenden sind sehr gen√ľgsam und fallen kaum auf. Er sollte aber nicht hinter dem Patienten stehen, am besten etwas abseits vom Behandlertisch aber so, dass der Assistent Blickkontakt zum Patienten aufnehmen kann und seine Mimik und Gestik gut beobachtbar bleibt.
  • Die Pateinten befragen ob ein Beisitzer Inn dabei sein darf!
  • Die Beisitzer Inn auf ihre Schweigepflicht aufmerksam machen ‚Äď eventuell auch was unterschreiben lassen.
  • Falls die Patientenflut nicht √ľberw√§ltigend ist, dann ein paar Termine zusammenlegen, auch hier sind die Lernenden dankbar, wenn sie auch nur halbe Tage dabei sein d√ľrfen.

Nat√ľrlich wird ein Lernender der Lycopodium konstitutionell ben√∂tigt mehr kritischere Fragen stellen als ein Barium carbonicum. Eine Sepialernende kritischer gegen√ľber frauenfeindlichen Bemerkungen sein wie Hyoscyamus. Lachesis werden wir immer dazu anhalten m√ľssen uns nicht ins Wort zu fallen und f√ľr Silicea werden wir die Heizung etwas h√∂her drehen d√ľrfen. Das sind aber nur Kleinigkeiten, daf√ľr hat jeder Lernende auch eine besondere Eigenschaft, Pulsatilla bringt immer einen Kuchen mit, Aurum l√§d einen mittags immer zum Essen ein, Staphisagria und Carcinosinum werden immer sehr h√∂flich die Patinenten vom Wartebereich ins Praxiszimmer f√ľhren. Mit Nux vomica, Sulfur, Kalium carbonicum‚Ķ.. hat man so manche Diskussion bez√ľglich des Arzneimittels zu bestreiten, was nat√ľrlich auch f√∂rderlich sein kann (aber auch nerven kann).

Zielsetzung der Assistenz sollte ein tieferes Verst√§ndnis f√ľr die praktische Umsetzung der klassischen Hom√∂opathie sein. Der Praxisalltag, wie Terminvergabe, Telefonsprechzeiten, Karteikartenf√ľhrung, Abrechnung‚Ķ.., aber auch P√ľnktlichkeit, konzentriertes zuh√∂ren, sich zur√ľcknehmen, Umgang mit kranken Menschen kann vertieft oder erlernt werden. Alle k√∂nnen davon profitieren, wenn es auf gegenseitige Toleranz basiert. Vor allen wird es der Hom√∂opathie dienen. Der Mentor unterst√ľtzt durch Ratschl√§ge, Hinweise, Ideen und vor allem auch durch die Vermittlung von Kontakten und Ansprechpartnern in seinem eigenen Netzwerk. Ein guter Mentor ist Vorbild in unterschiedlichen Bereichen. Diese sind z. B. das F√ľhrungsverhalten, die Kommunikation mit den Mitarbeitern, der Umgang mit dem Wissen und den Erfahrungen in der hom√∂opathischen Praxis, das Verhalten in Konflikten und Krisen, die Patientenf√ľhrung und nicht zuletzt der Umgang mit sich selbst.

Was kostet das Ganze?
Ja es ist tats√§chlich so, dass daf√ľr was verlangt werden kann, entweder in Form von Geld oder in Form von Mithilfe in der Praxis. Das sollte auch von Beginn an abgekl√§rt werden. Da nat√ľrlich die Betreuung auch zeitaufwendig ist.
Von meiner Seite habe ich bis jetzt noch keine finanziellen Entsch√§digungen f√ľr den Zeitaufwand berechnet, da vielen nach der Ausbildung als Heilpraktiker/in und dann noch ein paar Jahre Hom√∂opathie Studium einfach wenig finanzielle Reserven zur Verf√ľgung stehen. Wenn ich aber auf der anderen Seite sehe was f√ľr Unmengen Gelde einige Sch√ľler an Fortbildungen, B√ľchern und Repertorisationsprogrammen ausgeben. √úberlege ich mir manchmal schon, nicht doch mal eine Pauschale pro Praxistag oder Praxishalbtag zu verlangen. Das w√ľrde vielleicht auch dazu f√ľhren, dass manche Assistenten sich √ľberlegen das Erlernt erst mal zu √ľberarbeiten und anzuwenden, bevor sie Neues sich aneignen. Wenn Sch√ľler Seminare besuchen, wo haupts√§chlich Arzneimittel vorgestellt werden, die noch keinen Erfahrungswert darstellen, sollten sie sich doch lieber erstmal Sicherheit mit dem Umgang der klassischen Arzneimittel aneignen, sie 15 Jahre in ihrer Praxis ausprobieren und dann solche Richtungen einschlagen. Des Weiteren kann es Helfen sich an die zeitlichen Vereinbarungen besser zu halten oder die Zeit in der Praxis bewusster als Lehreinrichtung zu sch√§tzen, es kostet ja schlie√ülich auch etwas.
Ich halte meine Assistierenden als Entlohnung an, dass sie, wenn sie auch mal eine frequentierte Praxis f√ľhren, ebenfalls eine Assistenzstelle einzurichten, damit der Schritt in die eigenen Praxis f√ľr die Sch√ľler immer leichter zu beschreiten ist


Der Ganze Ablauf einer Assistenz kann grob in vier Abschnitte gegliedert werden:
  • Auswahl
    In der Auswahlphase finden man zusammen. Doch nicht jeder passt zueinander. Hier ist es wichtig, dass beide Beteiligten kritisch hinterfragen, ob eine enge, pers√∂nliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit erfolgsversprechend ist. Ich f√ľhre keine Vorgespr√§che im √ľblichen Sinn, falls jemand √ľber einen l√§ngeren Zeitraum bei mir assistieren m√∂chte, sollte ich ihn kennen; d.h. eine der Lehranstalten in welcher ich unterrichte besucht haben oder bei mir in Supervision bzw. im Ambulatorium sein. Damit ich nicht st√§ndig mit Fragen konfrontiert werde, die im Praxisalltag nicht immer ausreichend beantwortet werden k√∂nnen. Jemand der nur einmalig oder ein paar Tage da sein m√∂chte, kann die nach Absprache jederzeit. Dadurch kam es auch im letzten Jahr das eine deutschsprachige, hom√∂opathische √Ąrztin aus Nowosibirsk und eine Japanische Sch√ľlerin, die kurz in Deutschland waren bei mir zuh√∂rten. Ich bekomme heute noch 1 x im Jahr eine Flasche Woodka geschickt. Dadurch bekam ich auch Einblick in die hom√∂opathische Bewegung in Russland und Japan. Wo die angehenden Hom√∂opathen es viel schwieriger haben an B√ľcher und gute Lehrer bzw. Ausbildungsst√§tten zu gelangen. Viele von ihnen kennen die klassische Hom√∂opathie in unserem Sinne √ľberhaupt nicht (Q-Potenzen, Heringsches Gesetz, ein Arzneimittel, Hochpotenzen‚Ķ)und sind erstaunt was mit Einzelmittelgaben und etwas Geduld f√ľr Heilungen zustande kommen.

  • Vereinbarung
    In der Vereinbarungsphase werden die vorrangigen Ziele von beiden Seiten festgelegt. Dabei werden vor allem die grundlegenden Fragen der Assistenz geklärt und vereinbart:
    • Was will der Lernende erreichen und wobei kann er unterst√ľtz werden?
    • Was ist innerhalb der Assistenz m√∂glich und was nicht?
    • Wie oft und in welchen Rhythmus findet es statt?
    • Wie lange soll es dauern?
    • Wie bleibt man zwischen den Anamnesen in Kontakt?
    • Welche Spielregeln gibt es untereinander?
    • Wie offen oder vertraulich soll mit den Informationen umgegangen werden?
    • In dieser Phase ist es vor allem wichtig, realistische Ziele zu vereinbaren, um sp√§tere Entt√§uschungen zu vermeiden.
    Viele Assistenten, wollen nur irgendwie assistieren, haben aber gar kein konkretes Ziel vor Augen! Die einen r√ľcken mit einem Computer an und tippen, die ganze Zeit nach M√∂glichkeit alles wortw√∂rtlich hinein, die anderen haben nicht mal ein St√ľck Papier dabei. Das selbe ist mit dem Bildungsstand der einzelnen Person. Es macht wirklich keinen Spa√ü st√§ndig Grundlagen in der Praxis zu wiederholen. Hier klafft nat√ľrlich ein riesiger Spalt auf, der von unserer Seite Betrachtung finden sollte. Kann der Sch√ľler den Erwartungen von uns gen√ľgen, gen√ľgen wir seinen Erwartungen? Haben wir die Zeit und Energie, wollen wir uns die M√ľhe machen. Auch wir haben unseren Rahmen der f√ľr uns angenehm ist und den, welcher f√ľr uns nicht tragbar ist. Ein Gespr√§ch kann das kl√§ren und beim n√§chsten Mal hat er seine Schreibsachen und notwendigen B√ľcher dabei. Passiert dies nicht wird sich daraus wahrscheinlich keine sinnvolle Zusammenarbeit ergeben. Wir sollten aber nicht zu fr√ľh abbrechen, au√üer es sind un√ľberwindbare Widrigkeiten vorhanden. So manches wohlwollende Wort kann Wunder bewirken.

  • Assistenz
    Vor jedem Pateinten sollte sich kurz Zeit genommen werden um die wichtigsten Aspekte des Falles zu besprechen. Das Selbe sollte auch nach dem Patientengespräch noch kurz beredet werden. Oder eine generelle Zusammenfassung nach getaner Arbeit.
    Zu Beginn eignen sich halbe Tage besser von 9.00 ‚Äď 13.00 Uhr oder von 14.00 ‚Äď 18.00 Uhr, um nicht zu √ľberfordern. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, sich einen ganzen Tag Zeit zu nehmen.
    Wichtig ist die Kontinuit√§t! Einmal in der Woche oder alle 14 Tage √ľber ein Halbes oder ganzes Jahr. Manchmal auch √ľber zwei Jahre. Letztendlich h√§ngt dies vor allem von den zeitlichen M√∂glichkeiten der Beteiligten ab, es ist sehr hilfreich, wenn ein ausreichender Zeitrahmen zur Verf√ľgung steht. Sonst gibt es kaum Fortschritte. Des Weiteren ist wichtig, dass geplante Themen behandelt werden und neu hinzukommende Themen angesprochen und bei Bedarf in die Zielsetzung aufgenommen werden. Das Ganze sollte einer geplanten Systematik unterliegen wie:
    • Anamnesetechnik: Als erstes sollte der Lernende nur mal zuh√∂ren und sich nur wenige Notizen machen. Er sollte sich vor allem auch die Fragen aufschreiben die der Behandler stellt. Sp√§ter kann er alles mitschreiben.
    • Repertorisationsverst√§ndnis: Was f√ľr den Assistenten wichtig in der Anamnese war, sollte er unterstrichen haben. Nach jedem Gespr√§ch bekommt er von mir meine Repertorisation und kann sie mit seinen Symptomen abgleichen. Wo habe ich meine Schwerpunkte gesetzt und wo er. Er kann dadurch die Gewichtung der Symptome im Laufe des Beisitzens besser verstehen und einordnen.
    • Differenzialdiagnostik: Jeder Fall kann mit unterschiedlichen Arzneimitteln er√∂ffnet werden. Der Sch√ľler sollte immer die 10 vorrangigen Arzneimittel (siehe Repertorisation) zuhause nochmal √ľberarbeiten und in seinen Aufzeichnungen √ľber Materia medica nachlesen. Vor allen Dingen sollte er Arzneimittel w√§hlen die den Haltepunkt der Pathologie aufweisen.
    • Gabengr√∂√üe und Gabenwiederholung: Je nach Krankheitsfall sollte das Arzneimittel in seiner Potenzh√∂he und Wiederholung dem Patienten angepasst werden. Dies ist in den Folgekonsultationen immer wieder Gespr√§chsstoff.
    • Krankheitsverst√§ndnis: Was ist das zu heilende ¬ß 3 Organon.
    • Praxisorganisation: Terminvergabe, Telefonsprechstunde, Karteikartenf√ľhrung und Karteikartensystematik, Rechnungsstellung und Rechnungsverwaltung. Aber auch wie stelle ich ein Rezept aus, woher beziehe ich meine Rezeptbl√∂cke, was habe ich bei einer Praxiser√∂ffnung zu beachten, sind kleine oder gro√üe Karteikarten sinnvoll, bis hin zu welcher Versicherung ist g√ľnstig und welche Sprechzeiten soll ich angeben und noch so vieles mehr. All das kann gefragt und auch gelernt werden.
    Sehr vieles kann aus dieser Interaktionsphase resultieren, entwickelt sich daraus ein respektierendes kollegiales Verhältnis, sind wir der gegenseitigen Zielsetzung schon sehr nahegekommen.

  • Ziel
    Wie bei allen Ma√ünahmen im Bereich der Weiterbildung ist die Erfolgsmessung kein einfaches Unterfangen. Pers√∂nlichkeitsentwicklung, hom√∂opathisches Wissen und gesteigerte Kompetenzen k√∂nnen nicht immer eins zu eins in Zahlen √ľbersetzt werden.
    In dieser Phase blicken beide auf die gemeinsame Arbeit zur√ľck und bewerten die erreichten Ver√§nderungen und Verbesserungen. Meistens erkennen die Assistenten ihre Fortschritte im Umgang mit den eigenen Patienten oder in ihrer zunehmenden Sicherheit der Verschreibungen, Fallverlaufsbeurteilungen und Heilerfolgen. Und wir an ihrer Rubrikauswahl und Arzneimittelvorschl√§gen wenn wir nach einer Anamnese fragen, was sie dem Patienten verordnen h√§tten. In Ausnahmenf√§llen k√∂nnen f√ľr die Auswertung auch mehrere Termine vereinbart werden; so zum Beispiel, wenn Zwischenziele vereinbart wurden und deren Erreichen f√ľr das weitere Assistieren als Voraussetzung definiert wurde. Wichtig f√ľr das Ende ist es, die Assistenz "offiziell" abzuschlie√üen und diese besondere Form der Zusammenarbeit zu beenden. Ein Ausblick auf ein weiteres Zusammenarbeiten kann mit einer erneuten Vereinbarung verbunden sein, wie sie in der Zukunft in Kontakt bleiben wollen. H√§ufig ist eine erfolgreiche Assistenz ein Grad zwischen wohl dosierter Unterst√ľtzung, hilfreichen Fragen und guten Ratschl√§gen einerseits und Anforderungen und Erwartungen anderseits. Ein recht hoher Anspruch f√ľr eine Aufgabe, die meist neben den eigenen Praxisbetrieb geleistet werden soll. Umso wichtiger ist eine solide Grundlage und eine ausreichende Qualifikation und Praxiserfahrung des Therapeuten.
    Deshalb sollte ein guter Mentor in der Lage sein,
    • wichtige Fragen mit seinem Wissen √ľber die klassische Hom√∂opathie qualifiziert zu beantworten.
    • In schwierigen Situationen konkrete Hilfestellung geben.
    • Durch einen klaren, eigenen Standpunkt in der Lage sein, anderen Orientierung zu geben.
    • Die ‚ÄěKunst des Zuh√∂rens‚Äú ist f√ľr den Mentor ebenso wichtig, wie die F√§higkeit, sich auf die Denk- und Interpretationsmuster des Sch√ľlers einzulassen und aus dieser Perspektive heraus L√∂sungsm√∂glichkeiten zu entwickeln.
    • Er ist in der Lage, aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz die richtigen Erfahrungen auszuw√§hlen, die dem Lernenden zur Nachahmung dienen k√∂nnten. Au√üerdem kann er Literaturhinweise gibt, auf Fortbildungen hinweist und an Kollegen verweisen.
    • Selbst f√ľr erfahrene Hom√∂opathenInnen ist diese umfassende Aufgabe eine Herausforderung. Deshalb sollten auch die Mentoren untereinander vernetzt sein und sich austauschen oder weiterbilden.
Andreas Hundseder
schliessen
Andreas Hundseder
Ich hoffe das mit dem Artikel, sich viele erfahrene Hom√∂oapthenInnen bereit erkl√§ren jemand in die Praxis zur Asssitenz aufzunehmen. Den Sch√ľlern helfen den theoretischen Grundlagen der klassischen Hom√∂opathie in die Praxis umzusetzen und Sicherheit mitgeben sich selber eine Praxist√§tigkeit zuzutrauen. Genauso hoffe ich das die hom√∂opathie Absolventen, mehr Mut haben sich eine Stelle zu suchen! In Summe wird es immer unserer eigenen Entwicklung, der Entwicklung des Assistierenden und vorallem aber der Hom√∂opathie dienlich sein.