Geukens Seminar 2007

Homöopathie - Ausbildung in Augsburg
mit Dr. Alfons Geukens

Ausbildungsbericht über die 3 jährige Ausbildung mit Dr. Alfons Geukens in Augsburg.

Am Anfang stand eine Idee, eine Alternative zur Ausbildung in Hechtel in Süddeutschland zu veranstalten. Ich traf mich 1998 mit Dr. Alfons Geukens und wir klärten die Rahmenbedingungen ab. Im Frühjahr 1999 starteten wir mit einer 3 jährigen Homöopathieausbildung, die jeweils 2 x im Jahr 7 Tage in Augsburg stattfand. Aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz meldeten sich 120 HeilpraktikerInnen und ÄrzteInnen, die alle schon fundierte Homöopathiekenntnisse hatten, an. Zu Beginn kam es auch immer wieder zu häufigen Diskussionen über die häufigen Wiederholungen der Mittel, die uns Dr. Geukens in einigen seiner Fällen berichtete, im Laufe der Ausbildung und auch durch seine hervorragende Dokumentation und langjährige Beobachtung seiner geheilten Fälle schwand immer mehr diese Skepsis.

Dr. Alfons Geukens

Es wurde eine komplette zusammenhängende Videoausbildung, in der uns jeweils an einem Tag ein homöopathisches Mittel über geheilte Videofälle vorstellt wurde. Dr. Geukens beleuchtete dabei immer verschiedene Aspekte des Patienten, meistens sahen wir ein Kind, einen Erwachsenen oder einen alten Menschen mit einer chronischen Krankheit und oder auch ein bis zwei kurze Sequenzen von akuten Fällen, die immer mit dem selben Arzneimittel geheilt wurden. Durch seine überragende Kenntnis des Repertoriums lernten die meisten von uns in diesen 3 Jahren das Repertorium erst fundiert kennen. Rubriken, von denen wir keine Ahnung hatten, sie jemals im Repertorium zu finden, wurde praxisnah über Symptome der Patienten erklärt. Vor allem auch die Übersetzung der Patientenaussagen und Beobachtungen in die Sprache des Repertoriums war sehr hilfreich. Er berichtete einmal über einen Fall von Multipler Sklerose mit ausgeprägten Lähmungserscheinungen der Extremitäten, er erklärte uns kurz den Fall, irgendwann schaute er der Patientin in den Mund und fand eine Menge Amalgamfüllungen, daraufhin fragte er uns, was dies bedeute. Er erklärte uns, mit Zuhilfenahme der Rubrik: Allgemeines - Lähmung - Vergiftung, durch - Quecksilber, mit; konnte er den Fall lösen. Diese Hinweise waren und sind für uns immer wieder wie Goldkörner, die wir heute in unserer Praxis immer wieder nutzen, da wir eine Sensibilität über die Videofälle dafür haben. Diesen Fokus auf wichtige Aspekte der unterschiedlichen Arzneimittel, wie sie tatsächlich (nicht theoretisch) in der Praxis, bei kranken Menschen vorkommen, ist die große Kunst der Erfahrung von Alfons Geukens.

Ein paar wichtige Hinweise für Arzneimittel:

Barium carbonicum: Zusammenstoßende Tonsillen.
Schwellung der Tonsillen und Halsdrüsen/ Nackendrüsen mit Kleinwuchs der Genitalien.
Bleiben lange im Elternhaus, sie sind immer abhängig einer Bezugsperson.
Bryonia: Sprechen vom Geschäft und dabei Kaubewegungen mit dem Kiefer. Furcht vor Armut
DD Hyos.: Sprechen vom Geld und dabei alberne Gesten. Wahnidee sie würde beobachtet Werden.
Bufo: Gesicht - Ausdruck - albern, töricht. Streckt Zunge aus dem Mund.
Männliche Genitalien - Masturbation, Neigung zur. Hier ist ein animalisches Element.
Starke sexuelle Energie und Konvulsionen. Auch bei geistig Behinderten häufig zu finden.
Dicke Lippen. Gemüt - Zorn - missverstanden, falsch verstanden; wenn Intelligent in einem bestimmten Bereich, können da sogar außergewöhnliche Eigenschaften besitzen.
Calzium carbonicum: Rund und weich, blass und weißlich. Großer Kopf und kräftiger, bishin zu Fettleibigkeit. Schwitzt stark am Hinterkopf (das wichtigste Mittel!). Viele Ängste.
DD. Silicea: Auch großer Kopf, blass und weißlich, aber dünne Extremitäten.
Man sieht die Knochen an den Extremitäten. Keloidbildung. Exostosen Zahnschiefstellungen oder ein Ohr steht ab, Haare lassen sich nicht bändigen.
Schweiß reichlich zerstört die Schuhe.
Carzinosinum: - Vom Wesen wie Zigeuner:
dunkler Typ, dunkle Flecken; ziehen umher; tanzen und musizieren gerne und bekommen immer wieder Demütigungen. Blaue Skleren Verlangen Schokolade ist immer vorhanden. Ignatia folgt auf Carz. fast immer
Conium: Alte Menschen (Witwen) die im Dunkeln sitzen. Photophobie Verhärtungen der Brust. Brust - Krebs - Mammae - begleitet von - Verhärtung der Mammae.
Brust - Krebs - Mammae - begleitet von - Achseldrüsen; vergrößerte.
Prostatakrebs mit vergeblichen Harndrang und dabei Kopfschmerzen.
Colchicum: Sie tragen weite Schuhe da Druck der Zehen sehr schmerzhaft ist.
Empfindlich gegen Speisegerüche. Fettabneigung
Graphitis: Keloidbildung (Verwachsungen nach OP).
Weinen bei Musik. Lachen bei Tadel. Abneigung Süß und Fleisch.
Lycopodium: Wahnidee er habe seine Pflicht vernachlässigt.
Furcht sein Ziel nicht zu erreichen. Eine Extremität kälter als die andere.
Medorrhinum: Med. ist sehr empfindlich, extrem - stärker als bei Staphisagria.
Weint viel in der Konsultation. Überempfindlich gegen Grobheiten Nägelbeißen bei Erwartungsspannung. Ehrgeizig und feinfühlig. Lieben Orangen.
Natrium muriaticum: Verlangen Bitterschokolade und gesalzenen Fisch.
Verweilt bei unangenehmen vergangenen. Beschwerden durch Tod von geliebter Person => gehen täglich auf den Friedhof (Caust.) Im Mund Aphten und/oder Fieberbläschen und/oder Kopfschuppen.
Auge - Strabismus, Schielen - divergent. Maskulines Aussehen bei Frauen und Mädchen
Opium: Frauen die in der Schwangerschaft starke Schmerzmittel oder wehenhemmende Mittel bekamen und bei den Säuglingen Atemunterbrechungen nach der Geburt auftreten.
Alle Sekretionen hören auf bis auf das Schwitzen.
Sepia: Traum Verfolgt zu werden, muss rückwärts laufen Fleißig vor der Menstruation.
Tuberkulinum: Man sieht bei ihnen alle Rippen. Reisen gerne Behaarung am Rücken schon bei der Geburt.
Veratrum: Sie wachen mitten in der Nacht auf, singen und sind fröhlich.
Kind wacht nachts auf und verlangt nach Beschäftigung + Imitation z.b. sie imitieren das Verhalten der Eltern - wie Rasenmähnen... Hyperaktivität.
Bei Geisteskrankheit entwickeln sie die Wahnidee göttlich zu sein - gepaart mit Redseligkeit Immer ist die Totalität entscheidend nicht einzelne Aspekte eines Arzneimittels, doch die Hinweise können uns zum Arzneimittel führen.

Teilnehmer

Alfons Geukens ist vor allem ein Praktiker, durch seine Erfahrung in seinem Zentrum in Hechtel, das 24 Stunden am Tag geöffnet ist, sahen wir Fälle von Akutsituationen, die normalerweise nur in Krankenhäusern zu sehen sind. Diese Handhabung von Akutfällen, die häufig mit einem tiefwirkenden Konstitutionsmittel gelöst wurden, bei denen nachher auch das chronische Leiden mit dem selben Mittel weiterbehandelt wurde und der Patient mit diesem Mittel geheilt werden konnte, war für uns immer wieder faszinierend. Wir verfolgten auch Fälle die über Jahre mit falschen Homöopathikas behandelt wurden, die Patienten auch ganz zufrieden waren, da teilweise Besserungen auftraten, doch es immer wieder zu Rückfällen kam, die immer wieder Fragen aufwarfen und einen Mittelwechsel erforderten, bis schließlich das Heilmittel gefunden wurde. Diese Beobachtungen waren für uns sehr interessant, den sobald nur ein ähnliches Mittel gegeben wurde, kam es immer wieder zu Irritationen, die man nicht richtig einordnen konnte, sobald aber das Konstitutionsmittel gefunden wurde, gab es diese nicht mehr und ein Heilungsverlauf nach dem Heringschen Gesetze setzte ein, der immer nur das selbe Mittel in aufsteigenden Potenzen erforderte. Falls neue Krankheitssituationen auftauchten oder Rückfälle da waren, konnte das Mittel immer wieder den Zustand heilen. Alfons Geukens plädiert immer wieder darauf, das es grundsätzlich nur 3 Zustände einer homöopathischen Verschreibung gibt:

1. Die Konstitution eines Menschen:
Wir versuchen ein Mittel zu finden, was der Mensch schon immer war = Konstitutionsmittel, ein Mittel, für das "Sein" des Patienten. Im Allgemeinen wird ein Mensch mit seiner Konstitution geboren und behält sie. Er bleibt wie er ist, ein Leben lang, er denkt wie er denkt. Wir Homöopathen können dies aus der Totalität der Symptome und aus den sonderlichen und ungewöhnlichen Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles (§ 153) und der Individualisierung nach Kent, erkennen. Kent spricht in solchen Fällen vom Konstitutionsmittel und Hahnemann von chronischer Krankheit.
Das, was wir uns nicht erklären können ist das wichtigste am Patienten und an seinen Symptomen.
Anm. In all seinen Fällen lässt er den Patienten so lange erzählen, bis er ein solches Symptom erkennen kann, erst dann fängt er an im Repertorium nachzuschlagen. Er legt auch sehr starken Wert auf eigentümliche Symptome am Aussehen oder bei der Untersuchung des Patienten z.B. Kopf - Schwellung - Drüsen des Kopfes - Hinterkopfes; Drüsen des = Bar.carb. oder Auge - Strabismus, Schielen - divergens = Nat-mur. Phos.

2. Akute oder situationelle Verschreibung:
Eine andere Art der Verschreibung ist, wenn der Patient unter einem starken Einfluss von außen steht.
Dies sind Verschreibungen, die durch einen bestimmten Umstand wie Trauma, Unglück, Kälte, Hitze. hervorgerufen werden; kann sie der Organismus nicht selber überwinden, benötigt er ein spezifisches Heilmittel, was aber seine Grundlegende Konstitution nicht berührt oder heilt. In diesem Fall wird eine Umständeverschreibung erforderlich, wenn der Einfluss sehr stark ist, dann gehen die chronischen Krankheitssymptome zurück und die akute Symptomathologie kommt hervor. Häufig erkennt man aber auch durch den Akutzustand das Konstitutionsmittel.
Z.B. Rücken - Verletzungen der Wirbelsäule - nach Verletzungen liegt er auf dem Rücken und der Kopf zuckt nach hinten = Hyper. oder Rücken - Schmerz - stechend - Wirbelsäule - erstreckt sich zu - Kreuz zur Blasengegend hinab; das = Berb.

3. Misamatische Verschreibung:
Ein Heilmittel wirkt gut und plötzlich kommt es zu einer Symptomenverschiebung, das Mittel kann diesen Zustand nicht mehr berühren. Es kommen Symptome hervor die eine tiefere Störung zum Erkennen geben, eine Prädisposition zeigt sich. Der Patient zeigt dann Symptome, die z.b. der Syphilis ähnlich sind, weil es in der Familienhistorie Syphilis gab. Diese geben uns einen Hinweis auf eine miasmatische Verordnung das neue Mittel heilt diesen Zustand, danach wird sein Konstitutionsmittel wieder weiterhelfen ( z.b. Lachesis - Syphilinum - Lachesis). Aber man verschreibt nicht Syphilinum, weil es Syphilis gewesen ist, sondern man verschreibt Syphilinum weil es auf einem homöopathisches Bild basiert.

Dr. Geukens legt immer seinen Schwerpunkt auf eine fundierte Anamnese, wie in § 104 des Orga-nons beschrieben: Ist nun die Gesammtheit der, den Krankheitsfall vorzüglich bestimmenden und auszeichnenden Symptome, oder mit andern Worten, das Bild der Krankheit irgend einer Art einmal genau aufgezeichnet, so ist auch die schwerste Arbeit geschehen...... Ist die Anamnese nicht vollständig werden wir meistens das Mittel nicht finden können, betont er immer wieder.
Sein zweiter Schwerpunkt ist die Kenntnis des Repertoriums und sein korrekter Umgang. Da dies Lücken in der Arzneimittellehre schließen kann und dadurch auch wenig bekannte Arzneimittel gefunden werden können. Er verwendet bis heute keinen Computer, da die Gefahr besteht zu viele unwichtige Symptome zu verwenden. Er repertorisiert wie Kent, er benötigt nur eine Handvoll gut gewählter Symptome.
Und sein dritter Schwerpunkt ist der Fleiß und die Liebe zu seinem Beruf und zu den Patienten. Er sagt, wer dies nicht in sich trägt, kann keine gute Homöopathie praktizieren.

Er betont auch immer wieder, das wir nach Organon § 1 Fußnote nicht theoretisieren sollten, wir sollten uns bemühen das korrekte Mittel zu finden, wodurch der Patient Heilung findet. Die meisten Theorien werden verbreitet, da nicht das korrekte homöopathische Heilmittel gefunden wurde.
Auch bemängelt er immer wieder die vielen Nachträge ins Repertorium, die aus häufig nicht nachvollziehbaren Prüfungen, in höheren Graden ins Repertorium unkritisch aufgenommen werden. Hahnemann, Kent und andere werteten, die Symptome erst auf nach deren Beobachtung am Krankenbett / klinischer Bestätigung.

In den letzten drei Jahren lernten wir ca. 50 Arzneimittelbilder kennen, am Ende eines jeden Jahres wurde noch eine sehr umfangreiche Prüfung ausgeteilt, die Zuhause erarbeitet werden musste. Es handelte sich dabei jeweils um ca. 30 Fälle und Fragen zur Theorie/Organon. Wer alle Arbeiten eingereicht hat und _ richtig beantworten konnte, bekommt am Ende ein Diplom über die Ausbildung von Dr. Alfons Geukens.
Zuletzt war die Nachfrage so groß, das wir die Ausbildung fortfahren, einmal im Jahr werden für 5 Tage weitere Arzneimittelbilder über Videofälle erarbeitet, dazu sind auch alle eingeladen, die Dr. Geukens kennenlernen und ihr homöopathisches Wissen vertiefen möchten. Seine Methode ist sehr praxisnah und bezieht sich auf geheilte Patienten, sowohl um ungewöhnliche Aspekte von bekannten Arzneimitteln zu demonstrieren, als auch, um typische Bilder weniger bekannter Arzneimittel näher zu bringen. Von dieser Methode der Fallanalysen erhalten selbst fortgeschrittene Homöopathen immer wieder neue Anregungen. Der Unterricht wird in deutsch gehalten, die Videofälle werden simultan übersetzt.

Seminar

2 Fälle von Dr. Geukens:
1 Fall: Ein Junge, geboren am 1. Oktober 1997. Ich fand das Mittel erst während der Aufnahme im Krankenhaus, als die allopathische Behandlung dem Kind nicht mehr weiterhelfen konnte.
Ich observiere das Kind regelmäßig, und ein auffälliges Symptom seit der Geburt, ist ein Riss in der Mitte der Unterlippe. Natürlich versucht man als Homöopath so früh wie möglich das sogenannte Konstitutionsmittel zu finden, denn heutzutage kommen nur wenige Kinder ohne eine regelmäßige allopathische Behandlung aus, und zum Schluss haben sie ernsthafte Probleme.
Das erste Mal, dass er krank wurde, war der 3. Oktober 1998; also im Alter von einem Jahr. Ein Kollege schrieb in die Akte: „Hohes Fieber: 38,5°C, mit einer Röte im Gesicht an einer Seite und einseitige Hitze im Gesicht, die andere Seite kalt. Er wird gerne getragen.“ Am Tag danach sah ihn eine andere Ärztin und sie schrieb, dass das Kind sehr gereizt wäre. Die Ärztin betonte noch einmal die Röte und Hitze im Gesicht auf der rechten Seite und die Kälte auf der linken Seite. Und weil sie glaubte, das Kind würde Zähne bekommen, gab sie Chamomilla.
Nach Chamomilla wurde das Kind kurzatmig, am 2. November, ein wirklich keuchend pfeifendes Atmen. Und wegen der Rubrik:
„Atmung, Giemen, Ausatmung; bei“ und „Reizbarkeit, Kinder; bei, krank; wenn“, gaben wir Lycopodium 200 und später M, mit guter Reaktion.
Am 11. November 1998 wieder 39,8°C Fieber, die rechte Wange rot und heiß, die linke blass und kalt. Dies scheint ein Symptom zu sein, das immer wiederkommt. Also wurde es zu einem wichtigen Symptom. In diesem Augenblick gab man Phosphorus M, keine Wirkung; Pulsatilla; ohne Wirkung, und wieder Lycopodium 10 M, womit das Fieber wieder verschwand.
Ein weiteres auffälliges mentales Symptom, war die Eigensinnigkeit. Wenn sie z.B. am Tisch saßen, wollte das Kind das Stück Fleisch der Mutter… usw. … was er will, wird er bekommen…so eigensinnig… Weitere Observation: das Kind ist sehr aktiv und läuft die ganze Zeit umher.
Ein anderes Symptom: seit einigen Monaten hat er einen umgrenzten ekzematösen Hautausschlag auf der Wange von ungefähr 2 cm Durchschnitt.
Was noch auffällt ist eine zunehmende Schwellung beider Tonsillen und eine konstante Schwellung der Halsdrüsen, aber auch eine Schwellung der inguinalen Drüsen.
Seine Mutter, die große Angst um das Kind hat, erzählt, dass das Kind nicht gut schläft. Er schnarcht; vor allem wenn er auf dem Rücken liegt und das könnte durch die Schwellung der Tonsillen hervorgerufen werden. Er schläft immer mit geöffnetem Mund.
Dann kam eine Zeit, wo er erbrach. Am 10. Oktober 1999: erbrechen nachts. Dieses Symptom kommt regelmäßig wieder, und das Kind erbricht dann Galle nachts. Das Kind hat Fieber, ist frostig und blass. Und es ist in dieser Zeit des Frosts, dass das Kind Galle erbricht.
31. Januar 2000: das Kind erbricht nach dem Trinken oder nach dem Essen.
In 2000 einige Male die gleiche Geschichte… ein sehr eigensinniges Kind, regelmäßig erbrechen, häufiges schnarchen, geschwollene Tonsillen, Episoden mit Durchfall, geschwollene Drüsen…
30. November 2000: wieder Fieber: 39,6°C; mit einer Röte der linken Wange; einseitig. Der Kollege, der ihn sah, schrieb in die Akte: Entzündung beider Tonsillen, weiße eitrige Punkte auf den Tonsillen, ein schlechter Geruch aus dem Mund. Das Kind hat vermehrten Speichelfluss und dies vor allem auch im Schlaf . Der Kollege gab Lycopodium 50 M. Aber Anfang Dezember 2000, fing das Kind an zu husten. Eine Art bellender Husten , eine Art metallischer Husten. Kein Fieber und Atemnot, vor allem kurz nach Mitternacht. So schwierig, dass die Eltern sich nicht trauten, das Kind allein zu lassen. Sehr sonderbar war, so lange das Kind tagsüber herumgehen konnte, oder sogar herumlaufen konnte, war die Atmung besser. Aber in der Nacht vom 13. Dezember 2000, kurz nach 12 Uhr, riefen sie mich an und sagten, dass das Kind nicht atmen könnte. Ich fuhr sofort hin, mit meinem Kollegen, der das Kind behandelte.
Wir fanden ein Kind mit einer extremen Atemnot, als ob da eine Verengung im Kehlkopf wäre, eine Art Laryngospasmus!
Natürlich ist es in so einem gefährlichen Zustand schwer, die richtige Rubrik zu finden. Ist es ein Ödem der Glottis oder ein Laryngospasmus…? Ich wollte nichts machen, weil wir das richtige Mittel nicht sahen…wir steckten das Kind ins Auto und fuhren ins Krankenhaus.
Der Kinderarzt sagte, dass es kein Problem gäbe, es wäre ein Pseudokrupp. Er gab dem Kind Pulmicort Spray (Beclomethasondipropionat, Corticosteroid) und später intravenös Decadron (Dexamethason, Corticosteroid). Anfangs war der Kinderarzt sicher, dass es keine Probleme geben würde. In den darauffolgenden Tagen wurde das Blut untersucht, aber es wurde nichts gefunden… man gab weiterhin Pulmicort… aber das Kind reagierte nicht auf die Medikamente und der Kinderarzt wusste nicht mehr, wie er dem Kind helfen sollte.
Ich fuhr jeden Tag ins Krankenhaus und die Mutter, die bei dem Kind blieb, war völlig erschöpft, sehr ängstlich; denn jede Nacht hatte das Kind diese schreckliche schwierige stertoröse Atmung. Und der Kinderarzt, ein sehr engagierter Arzt, verstand nicht, dass die Atmung tagsüber, wenn das Kind herumlief, viel besser war… dies war außergewöhnlich, eigenartig und seltsam.
Wenn ich mit meinem Stethoskop den Kehlkopf abhörte, dann hörte ich, dass die Luft durch eine schmale Röhre ging… und ich sagte zu mir selber: „Mein Gott, dies ist wie eine Art Tuberkulose des Kehlkopfs“ und sofort sah ich die Sache ganz klar… der Großvater des Kindes hatte TBC gehabt und jetzt hat er Lungenkrebs…, die Schwellung der Drüsen, der Halsdrüsen und der Tonsillen, wahrscheinlich der inguinalen Drüsen mit Durchfall usw.
Es war deutlich: es war eine Zusammenschnürung des Kehlkopfs, vor allem nachts, und so lange das Kind herumgehen konnte, war es besser.
Ich fand das Mittel also am vierten Tag nach der Aufnahme im Krankenhaus, am Morgen des 6. Oktobers. Ich sprang in mein Auto und kam um 7 Uhr im Krankenhaus an… ich kam ins Zimmer und die Mutter sagte: „Noch immer das Gleiche.“ Ich steckte eine 200er Potenz in seinen Mund und nach fünf Minuten besserte sich das Atmen und das Kind schlief ruhig, ohne Probleme. Am nächsten Tag konnte er nach Hause. Wir machten weiter mit dem Mittel… später in einer M Potenz, 10 M und 50 M. Bis jetzt, Anfang 2003, geht es dem Kind prächtig. Jedesmal, wenn es ein Problem gibt, bekommt er das Mittel… er hat sich in ein intelligentes, ruhiges Kind verwandelt. Noch immer aktiv, aber nicht mehr die Ruhelosigkeit, die ihn umhertreibt, nicht mehr leicht zornig oder sogar Raserei , wenn er nicht bekommt was er gerne haben möchte.
Die jüngere Schwester des Jungen, zeigte später die gleiche Symptomatik wie ihr Bruder… sie hat einen Riss in der Mitte der Unterlippe, ist sehr eigensinnig, Ruhelosigkeit treibt sie umher, sie erbricht Galle nachts, jede zweite Nacht, geschwollene Tonsillen. Die vergrößerten Tonsillen waren nach einjähriger Behandlung verschwunden.
MITTEL: Drosera



Fall 2: Ein Junge, geboren am 21. Juni 2002.
Seit dem 31. Oktober hat er ungefähr 39°C Fieber, Tag und Nacht. Er bekam Pulsatilla, Tuberkulinum und Chamomilla; ohne Wirkung. Ein Kollege sah ihn am 2. November 2002.
Seit der Geburt stößt das Kind nach dem Essen regelmäßig auf (Reflux), es hat Schwierigkeiten beim Stuhlgang und eine pfeifende Atmung. Obwohl er ziemlich hohes Fieber hat, isst er noch immer gut. Die Mutter, die Krankenschwester ist, bemerkte, dass das Fieber nach dem Schlaf immer gesunken war und auch im Allgemeinen geht es dem Kind besser nach dem Schlaf. Seit einigen Tagen steckt er immer seinen Finger in den Mund, manchmal sogar die ganze Hand. Es ist ein helles, blondes Kind . Regelmäßig ist die rechte Wange rot; darum wurde ihm Pulsatilla gegeben. Und weil die Mutter dachte, das Kind bekäme Zähne und er würde darum immer seine Finger in den Mund stecken, gab sie ihm Chamomilla; aber auch ohne Wirkung. Sonderbar ist, dass seit einigen Tagen die linke Wange rot wird; eigentlich wechselt die Wangenröte die Seiten.
Dieses Kind ist zufrieden, wenn man ihn in einem Schaukelstuhl setzt. Auch wenn er getragen und geschaukelt wird, ist er zufrieden; er braucht das. Ein weiteres Element für Pulsatilla.
Zu dem Zeitpunkt der Konsultation bei dem Kollegen, am 2. November 2002, hatte das Kind ein rotes Gesicht während des Fiebers. Die Mutter observierte auch, dass der Stuhl des Kindes manchmal grau war und manchmal gelb. Er hatte einen sauren Geruch. Das Kind ist ziemlich mollig und manchmal schwitzt es am Kopf. Es wurde Calcarea carbonica 200 verschrieben, später M und 10 M, aber ohne Wirkung.
Am 4. November hatte das Kind noch immer sehr hohes anhaltendes Fieber und ein anderer Kollege sah ihn. Er untersuchte den Urin und das ergab +++ für Blut im Urin .
Zu diesem Zeitpunkt unterrichtete ich in Deutschland, und weil das Kind nicht reagierte, schickte ich die Eltern mit dem Kind ins Krankenhaus. Dort fand man eine geschwollene Niere auf der rechte Seite, ein sehr hohes CRP (17,9; normal: weniger 0,5) und eine sehr hohe Leukozytose (17 500 mm_). Man gab dem Kind intravenös Augmentin (Clavelane-Säure und Amoxicillin) in Übereinstimmung mit dem Antibiogramm. Nach einigen Tagen war das Fieber verschwunden und man untersuchte alles, die Lungen etc., über eine Woche lang. Das Kind musste noch weiterhin eine Woche lang oral Augmentin einnehmen, da die Diagnose eine Pyelonephritis war. Im Urin fand man Staphylokokken (10 000 – 50 000/ml).
Wissend, dass ich das Konstitutionsmittel finden musste, um einen Rückfall zu vermeiden, gab ich dem Kind schon im Krankenhaus Sulphur M. Er nahm jeden Tag Sulphur M, aber als er wieder zu Hause war, ungefähr 14 Tag später, hatte er noch immer ein Pfeifen, sogar noch schlimmer. Sulphur stimmte also nicht!! Die Mutter sagte: „Er pfeift schon seit der Geburt!“
Plötzlich kam Eiter aus dem linken Ohr, ohne jeglichen Grund. Rubrik: Ohr, Absonderung, eitrig, Sulphur; Missbrauch von… und Allgemeines, Sulphur; Missbrauch von… Wir hörten sofort mit Sulphur auf und gaben dem Kind Pulsatilla 200.
Der Eiter verschwand… und wir waren zufrieden. Aber wir hatten noch immer Angst, denn in einem akuten Zustand reagierte er nicht auf Pulsatilla.
Und so war es. Am 5. Januar 2003, die gleiche Geschichte. Wieder hohes Fieber, Blut im Urin und Eiweiß im Urin. Sofort wurde Pulsatilla 10 M gegeben, sehr oft. Aber am Tag danach noch immer keine Reaktion. Die gleiche Geschichte… rotes Gesicht auf einer Seite, die rechte Seite… und bei intensiver Beobachtung sehen wir, dass das Kind während des Fiebers gähnt. Er steckt seinen Finger in den Mund und weil das Fieber so hoch ist (39,5° C), zieht der Vater seine Socken aus und macht das Kind frei. Das Kind ist sehr blass während des Frosts und hat eigentlich schon ein wächsernes Gesicht, obwohl die rechte Wange rot ist.
Ein weiteres auffälliges Symptom, und das schon seit der Geburt, also scheint es konstitutionell zu sein, er hat immer klamme schwitzende Hände. Und nicht nur die Hände, auch die Füße (Extremitäten) haben dieses klamme Schwitzen. Die Eltern haben bemerkt, dass er sich leicht erschreckt während des Fiebers und das er von dem geringsten Geräusch wach wird. Das Kind möchte immer gehalten werden; wenn die Mutter ihn ins Bett steckt, möchte er immer, dass seine Hand Kontakt mit ihr hat. Wenn nicht, wird er wach. Seine Nahrung: er trinkt noch immer seine Flasche, er mag die Milch nicht warm, wenigstens nicht sehr warm.
Am 16. Januar um 11 Uhr wurde das Mittel in einer M Potenz gegeben, ein Globuli unter der Zunge und alle 15 Minuten ein Schluck von der Lösung. Um 15 Uhr rieft mich die Mutter an, und sagte, dass sein Gesichtsausdruck besser sei. Sie gaben weiterhin sehr oft das Mittel, aufgelöst in Wasser, und einige Male ein Globuli unter der Zunge. Das Fieber blieb die ganze Nacht hoch. Um 7 Uhr morgens wurde er wach, Fieber 37,5° C und er trank eine ganze Flasche Milch.
Das Fieber sank weiter auf 36,5° C, völlig ausgeheilt. Einmal, am 7. Januar, stieg das Fieber noch mal auf 38,5° C und sank sofort nach einem Globuli der M Potenz. Die Reaktion war wunderbar!
Untersuchung des Urins am 7. Januar: Eiweiß ist verschwunden, noch Blut im Urin, aber weniger!
Eine Woche später stieg das Fieber wieder und wir steigerten die Potenz auf 50 m, mehrere Male am Tag. Zwei Wochen später war die Hämaturie völlig verschwunden.
Es ist also deutlich. So lange das Konstitutionsmittel nicht gefunden wird, wird der Patient wieder rückfällig werden.
Wir können nicht aufgrund von Ideen verschreiben, nur aufgrund von Fakten: deutliche Observation, Repertorisation… aber „genau“, wie Hahnemann in seinem Organon schreibt!
MITTEL: Phosphorus




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