Worte zur Ausbildung bei AudeSapere


Als ich nach dem Homöopathie-Intensivkurs das erste Mal das Ambulatorium besuchte, war ich begeistert: Hier schloss sich endlich der Kreis. Theoretisch wusste ich zwar, wie ich akute und chronische Fälle behandeln könnte. Aber wie sollte ich an die benötigten Informationen (Symptome und Modalitäten) kommen? Was genau würde ich beim Follow-Up tun? Wie sollte ich reagieren, wenn das Mittel nicht wirkt? Genau dazu bekam ich die Antworten. Ich konnte mir anschauen, wie meine Kollegen und Kolleginnen bei Erstanamnesen vorgehen und selber meine ersten Patientengespräche mit Christine oder Andreas als "Sicherheit" neben mir führen. Durch die eingehenden Fallbesprechungen im Anschluss an die Anamnesen bekam ich eine praktische Anleitung, wie man wirklich die Repertorisation angeht: z.B. wie man die vom Patienten genannten Symptome in "Repertoriumssprache" übersetzt. Nicht zuletzt wurde auch die Anamnese selbst besprochen und Verbesserungsvorschläge gemacht, aber auch gute Teile hervorgehoben. Durch das Ambulatorium war es mir letztendlich möglich mit einem guten Gefühl meine Praxis zu eröffnen.

Seit einigen Jahren besuche ich zusätzlich eine Supervisionsgruppe. Zunächst dachte ich, dass ich dort kein hilfreiches Mitglied sein könnte, da ich ja noch nicht viel Erfahrung gesammelt hatte. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Wenn jemand mit einem eigenen Fall nicht weiterkam (was ja gerade zu Beginn der Tätigkeit häufiger vorkommt), hat er diesen den Mitstreitern vorgestellt und wir haben gemeinsam überlegt, welche Fragen noch mit dem Patienten geklärt werden müssen oder wie die Repertorisation modifiziert werden kann. Eine tolle praxisnahe Hilfe. Auch aus den Fällen der anderen Homöopathinnen konnte ich viel für meine Praxis mitnehmen. Oft sind es auch nur kleinere Fragen, die wir klären und nicht komplette Fälle: z.B. Warum wirkt das Mittel plötzlich nicht mehr? Wie stelle ich diese heikle Frage meinem Patienten? Ist das ein Heilungsprozess oder eine Unterdrückung? Jedes Mal ist das eine tolle informative Zeit, die mich als Homöopathin weiterbringt, auch wenn es nicht um meine eigenen Patienten geht. Denn manche Fragestellungen kamen bei mir erst gar nicht auf, weil ich sie bereits in der Supervision dank meiner Kolleginnen bearbeitet hatte.

Um eine gute und sichere Homöopathin werden zu können, sind für mich das Ambulatorium und die Supervision unabdingbar. Denn sie sind das Bindeglied zwischen Theorie und Praxis.

Kirsten Tietje