Sapere Aude

... stand in großen Lettern über dem Tor der Schule, in die der junge Christian Friedrich Samuel dank der Unterstützung eines Gönners gehen durfte - seine Eltern konnten das Geld für eine höhere Schule nicht aufbringen. Hahnemann selbst benutzte in seinen Veröffentlichungen die umgekehrte Form AUDE SAPERE, bestimmt hat er sich dabei etwas gedacht.

„Aude” heißt nimm' Dir ein Herz, wage es, „sapere” dagegen wurde unterschiedlich übersetzt: In der Zeit der Aufklärung etwa als „Wage, zu wissen” oder „Wage, Deinen Verstand zu gebrauchen”. Im ursprünglichen Sinne bedeutet das Verb „sapere” soviel wie: Schmecken, eine Erfahrung machen, sich auf etwas einlassen, eine Einsicht gewinnen. Das Substantiv „sapientia” bedeutet soviel wie Klugheit, Weisheit oder Lebensweisheit.

Vermutlich kannte Hahnemann die gängige Übersetzung von „sapere aude” des Philosophen und Theoretikers Kant „Wage, Deinen Verstand zu gebrauchen” und wollte als Praktiker und Empiriker, der er war, durch das Vertauschen der Reihenfolge die Betonung der Worte verändern: Der Schwerpunkt liegt nun auf dem Wort „aude”, somit können wir es mit

„Wage es, Lebensweisheit zu erfahren”

im Sinne von „Nimm Dir ein Herz - mach es, schmecke mit all Deinen Sinnen hinein in die Lebensweisheit, um sie wahrhaftig zu erfahren” vielleicht am treffendsten umschreiben.



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